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DGB – Ausbildungsreport 2026: Jede*r zweite Auszubildende erlebt psychische Belastung

Der DGB-Ausbildungsreport 2026 zeigt deutliche Herausforderungen bei der Ausbildungsqualität und der mentalen Gesundheit junger Menschen. Mehr als die Hälfte der befragten Auszubildenden fühlt sich psychisch belastet. Gleichzeitig ist die Mehrheit der Auszubildenden  (65,7 Prozent)  mit ihrer Ausbildung zufrieden, wenngleich dies der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebungen ist. Besonders belastend wirken Leistungs- und Zeitdruck, Personalmangel sowie finanzielle Sorgen. Eine gute Betreuung kann die Situation jedoch deutlich verbessern: Sind Ausbilder*innen zuverlässig erreichbar, fällt die psychische Belastung wesentlich geringer aus. 

Wichtige Zahlen, Daten und Fakten 

Die Zahlen zeigen, dass die Auszubildenden im vierten Ausbildungsjahr im Vergleich zum ersten Ausbildungsjahr ihren Ausbildungsbetrieb deutlich seltener weiterempfehlen würden. Am Ende beträgt der Anteil der Weiterempfehlung nur noch rund 40 Prozent (statt 62 Prozent im ersten Jahr). Immer häufiger müssen Auszubildende auch ausbildungsfremde Tätigkeiten durchführen und fast jede*r dritte Auszubildende muss Überstunden ableisten. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, sich psychisch belastet zu fühlen. 

Fast zwei Drittel können von der Ausbildungsvergütung nicht selbstständig leben und greifen auf ihre Eltern zurück. Glück denen, deren Eltern sich dies leisten können. Umso schwerwiegender die Aussichten für Azubis aus prekären Verhältnissen. Die Ungewissheit, ob der Ausbildungsbetrieb die Azubis übernehmen wird, belastet zusätzlich. Die Bewertung der fachlichen Qualität des Berufsschulunterrichts sinkt im Vergleich zum Vorjahr um etwa 2 Prozentpunkte auf 52,6 Prozent ab. 

Was belastet die Auszubildenden? 

Im Ausbildungsalltag sind es mit jeweils etwa 20 Prozent der Leistungs- und Zeitdruck, Personalmangel und ein erhöhter Verantwortungsdruck, der sich mental belastend auswirkt. Auch lange Fahrzeiten (16,5 Prozent) sowie die Lage der Arbeitszeit und Schichtdienst (13,1 Prozent) stellen Herausforderungen dar. Belastungen außerhalb der Ausbildung verstärken die Wahrnehmung. Die finanzielle Situation (49,9 Prozent und die Wohnsituation (35 Prozent) belasten die psychische Gesundheit von etwa 53,3 Prozent der Auszubildenden. Zur angespannten Wohnsituation von Auszubildenden könne Sie hier nachlesen: Newsmeldung Azubiwohnprogramm und Newsmeldung Wohnungsnot. Doch an wen wenden sich die Auszubildenden bei aufkommenden Problemen? Etwas mehr als 40 Prozent haben keine Ansprechperson, an die sie sich wenden können. Etwa ein Drittel kann sich an Kolleg*innen wenden oder betriebliche Angebote wahrnehmen. Etwa ein Fünftel spricht mit Lehrkräften oder nimmt schulische Angebote wahr. An dieser Stelle können Programme zur Förderung von psychischer Gesundheit an Schulen, wie beispielsweise MindMatters helfen. Sie können dazu auch unseren Artikel zum Thema Selbstwirksamkeit und psychische Gesundheit in der Ausbildung hier nachlesen: Newsmeldung Psychische Gesundheit. Auch die Ungewissheit, ob die Auszubildenen nach Abschluss der Ausbildung übernommen werden, kann die psychische Belastung erhöhen. Rund ein Drittel weiß im dritten Ausbildungsjahr noch nicht, ob der Betrieb sie übernehmen wird. 

Welches Fazit lässt sich aus dem Ausbildungsreport ziehen? 

Der Ausbildungsreport 2026 zeigt: Mentale Gesundheit ist ein zentraler Bestandteil guter Ausbildungsqualität. Die Belastungen durch betriebliche Anforderungen sind im Vergleich zu 2016 kaum zurückgegangen. Gleichzeitig verschärfen gesellschaftliche Krisen, steigende Lebenshaltungskosten, Kriege und Klimakrise sowie finanzielle Sorgen und angespannte Wohnverhältnisse den Druck auf junge Menschen. 

Die DGB-Jugend fordert deshalb verlässliche Ansprechpersonen und niedrigschwellige, vertrauliche Unterstützungsangebote in Betrieben und Berufsschulen. Ausbilder*innen und Lehrkräfte sollen für den Umgang mit psychischen Belastungen qualifiziert und regelmäßig weitergebildet werden. Psychische Risiken sollen zudem im betrieblichen Arbeitsschutz systematisch erfasst werden. Gefordert werden planbare Arbeitszeiten, digitale Zeiterfassung, weniger Überstunden, Schutz vor ständiger Erreichbarkeit und eine bessere Arbeitsorganisation. Von den besonders hoch belasteten Auszubildenden gaben80,8 Prozent an, sich am Ende des Ausbildungstags erschöpft zu fühlen, 48,7 Prozent denken häufig über einen Abbruch nach. 

Weitere Forderungen sind bezahlbare Azubiwohnheime, vergünstigte Mobilität und langfristig ein kostenloser ÖPNV. Eine bundesweite, umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie soll mehr Ausbildungsplätze schaffen. Frühzeitige Berufsorientierung, praktische Erfahrungen und eine stärkere Begleitung sollen Passungsprobleme verringern; Jugendberufsagenturen sollen die Zusammenarbeit vor Ort koordinieren. 

Zudem fordert die DGB-Jugend die unbefristete Übernahme nach erfolgreichem Abschluss und mehr Mitbestimmung durch Jugend- und Ausbildungsvertretungen (JAV) sowie Betriebs- und Personalräte. In Betrieben mit JAV fühlen sich deutlich weniger Auszubildende stark belastet (39,7 Prozent ohne JAV gegenüber 59,3 Prozent ohne entsprechende Belastungen mit JAV). 

Hier können Sie den DGB-Ausbildungsreport 2026 als PDF herunterladen.