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Zwischen Chance und Risiko: Was internationale Auszubildende wirklich brauchen

Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) warnt vor Risiken in der liberalisierten Bildungs- und Erwerbsmigration.

Wer für eine Ausbildung oder ein Studium nach Deutschland kommt, braucht nicht nur einen legalen Zugang, sondern auch verlässliche Orientierung, Sprachförderung und soziale Anbindung. Eine aktuelle Analyse des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR) zeigt, dass die in den vergangenen Jahren liberalisierte Bildungs- und Erwerbsmigration zwar neue Chancen eröffnet hat, zugleich aber auch neue Risiken mit sich bringt – insbesondere dann, wenn Schutzmechanismen, Kontrolle und Unterstützung nicht ausreichend mitwachsen. 

Was ist das Problem? 

Gerade im Bereich der Ausbildungsmigration sieht der Beitrag Handlungsbedarf. Der Aufenthaltstitel nach § 16a AufenthG ermöglicht die Einreise für betriebliche und bestimmte schulische Ausbildungen; gleichzeitig ist eine zusätzliche Beschäftigung von bis zu 20 Stunden pro Woche erlaubt. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld: Eigentlich soll der Aufenthalt der Qualifizierung dienen, faktisch kann er aber auch den Einstieg in prekäre Arbeitsverhältnisse erleichtern. 

Als Warnsignal verweist die Analyse auf einen Fall aus Berlin: Im Herbst 2025 soll rund ein Drittel von 700 vietnamesischen Schülerinnen und Schülern einer Berufsschule verschwunden sein. Medienberichten zufolge sollen zumindest einige von ihnen anschließend illegal in Nagel- oder Kosmetikstudios gearbeitet haben. Der Fall steht exemplarisch für die Risiken, die entstehen können, wenn Ausbildung, Erwerbsdruck und fehlende Begleitung zusammenkommen. 

Was hat das Sprachniveau mit der Thematik zu tun? 

Ein zentrales Thema ist dabei die Sprache. Für qualifizierte Berufsausbildungen sind grundsätzlich Deutschkenntnisse auf B1-Niveau vorgesehen, doch der Nachweis wird nicht immer staatlich geprüft. In bestimmten Fällen können Bildungseinrichtungen Sprachkenntnisse bestätigen oder sie in vorbereitende Maßnahmen in Deutschland? verschieben. Der SVR empfiehlt deshalb, Sprachkenntnisse bei der Visavergabe grundsätzlich staatlich zu prüfen. Denn Sprache ist nicht nur eine Bildungsvoraussetzung, sondern auch ein Schutzfaktor: Wer sprachlich unsicher ist, kann Rechte schlechter wahrnehmen, sich im Ausbildungsalltag schwerer orientieren und findet schwieriger Zugang zu sozialen Netzwerken. 

Was brauchen junge Zugewanderte für einen erfolgreichen Start? 

Genau hier wird auch deutlich, warum Vernetzung so wichtig ist. Die Analyse macht klar, dass junge Zugewanderte mehr brauchen als einen Ausbildungs- oder Studienplatz. Sie brauchen Kontakte, verlässliche Informationen und Ansprechpersonen, die sie beim Ankommen begleiten. Empfohlen werden unter anderem mehr Transparenz, Qualitätskontrollen, intensivere Beratung schon vor der Einreise und bessere Kontrolle von Vermittlungsstrukturen.  

Was bedeutet das für die Arbeit von JAzA? 

Für JAzA liegt darin ein wichtiger Impuls: Wenn Ausbildung gelingen soll, muss sie als sozialer Prozess verstanden werden. Entscheidend ist nicht nur der Zugang oder die Vermeidung von Abbrüchen, sondern auch die Frage, ob junge Menschen Anschluss finden – an Berufsschulen, Betriebe, Beratungsstellen, Communities und andere junge Menschen. Gerade dort, wo soziale Einbindung fehlt, steigen die Risiken von Isolation, Überforderung und prekären Beschäftigungssituationen.  
Die Ausbildungsbegleiter*innen vor Ort haben eine vernetzende und verbindende Funktion.  

Wichtige Fragen, die gemeinsam beantwortet werden können, wären beispielsweise: Was brauchen junge Zugewanderte, um sich sicher im Ausbildungsalltag zu bewegen? Wo finden sie Hilfe bei Problemen mit Betrieb, Sprache, Aufenthalt oder finanzieller Belastung? Und wie können Netzwerke entstehen, die nicht erst im Krisenfall greifen?  

Die Botschaft der Analyse ist klar: Ausbildung braucht mehr als Zugang – sie braucht Anschluss. Wer junge Menschen aus dem Ausland für Ausbildung und Studium gewinnen will, muss dafür sorgen, dass sie nicht nur ankommen, sondern auch unterstützt, informiert und vernetzt werden.  

Die Oberstufenzentren suchen bereits nach Lösungen, wie sie internationale Auszubildende noch besser unterstützen können. Dazu gehören z.B. die vorgeschalteten oder vorbereitenden berufsspezifischen Sprachkurse am OSZ Gastgewerbe oder Workshops mit dem Titel "Meet and Greet" am OSZ Medizin und Gesundheit sowie die Einbindung von Beratungsstellen, die sich insbes. an die vietnamesischen Auszubildenden richten. 

Weitere Informationen zum Beitrag des SVR finden Sie unter: https://www.svr-migration.de/publikation/schattenseiten-bildungs-und-erwerbsmigration/