JAzA beim Sozialpartnerdialog Einzelhandel: Einblicke in die Ausbildungspraxis
Am 15.07.2025 fand der „Sozialpartnerdialog Einzelhandel“ des Projekts Joboption statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Rolle von Aus- und Weiterbildungen in Zeiten des Wandels. Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit wurden Wege aufgezeigt, wie Qualifizierung zur Stabilisierung der Branche beitragen kann. Auch zwei Mitarbeitende von JAzA gaben Einblicke in die Lebensrealitäten und Herausforderungen junger Menschen in der dualen Ausbildung. Paola Papatrecha, JAzA-Ausbildungsbegleiterin an der Oscar-Tietz-Schule (OSZ Handel II), und Waldemar Kipphan, wissenschaftlicher Mitarbeiter für Qualitätssicherung, stellten zentrale Erkenntnisse aus dem Projekt vor und berichteten aus der Arbeit mit Auszubildenden im Berliner Einzelhandel.
Die Daten und Erfahrungen aus dem Projekt zeichnen ein vielschichtiges Bild: Die Jugendlichen vom OSZ Handel II, die Unterstützung suchen, sind durchweg unter 24 Jahre alt und viele von ihnen leben noch im Elternhaus. Die finanziellen Belastungen sind hoch, das Ausbildungsgehalt reicht oft nicht aus, um sich ein eigenes Zimmer in Berlin leisten zu können. Auffällig ist zudem, dass der Anteil junger Menschen mit Migrationsgeschichte in dieser Berufsgruppe vergleichsweise niedrig ist.
Ein zentrales Thema der Beratungen sind Kündigungen in der Probezeit. Diese sind im Einzelhandel besonders häufig, und auffällig oft gehen sie von den Betrieben aus. Warum das so ist, darüber diskutierten die Teilnehmenden der Veranstaltung, darunter Vertreter*innen des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, der Gewerkschaften, der Agentur für Arbeit, von Arbeitgeberseite sowie anderer unterstützender Projekte, intensiv. Im Mittelpunkt stand die Frage: Was führt zu den überdurchschnittlich hohen Abbruchquoten im Einzelhandel? Mangelnde oder schlechte Ausbildungsqualität oder gegenseitige Erwartungshaltungen, die oft nicht zusammenpassen? Auch der Blick auf die Generationenfrage und die sogenannte Generation Z spielten eine Rolle: etwa im Hinblick auf Selbstbild, Kommunikationsverhalten und veränderte Anforderungen an betriebliche Zusammenarbeit. Dabei wurde deutlich: In manchen Betrieben ist das Leitmotiv „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ immer noch spürbar.
Der Beitrag von JAzA machte deutlich: Ausbildungsabbrüche sind selten monokausal, sondern Ergebnis komplexer Wechselwirkungen zwischen strukturellen, betrieblichen und persönlichen Faktoren. Umso wichtiger sind kontinuierliche Begleitung, niedrigschwellige Anlaufstellen und ein gemeinsamer Blick auf gelingende Ausbildung – so der Tenor der Veranstaltung.