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Berliner Ausbildungsplatzumlage – Chancen und Kritik im Überblick

Berlin führt die Ausbildungsplatzumlage ein: Unternehmen mit niedriger Ausbildungsquote sollen künftig in einen Fonds einzahlen, aus dem Ausbildungsbetriebe finanziell unterstützt werden. Während der Senat auf mehr Ausbildungsplätze hofft, warnt die IHK Berlin vor zusätzlicher Bürokratie und neuen Belastungen für Unternehmen.

Berlin beschließt Ausbildungsplatzumlage: Was das neue Gesetz für Unternehmen und Azubis bedeutet

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat die Einführung der Ausbildungsplatzumlage beschlossen. Mit dem sogenannten Ausbildungsförderungsfondsgesetz Berlin (AusbFFG BE), das am 26. März 2026 verabschiedet wurde, soll die Zahl betrieblicher Ausbildungsplätze in der Hauptstadt steigen. Unternehmen mit geringer Ausbildungsquote müssen künftig Beiträge in einen gemeinsamen Fonds zahlen. Ausbildende Betriebe erhalten im Gegenzug finanzielle Unterstützung.

Der Berliner Senat reagiert damit auf die anhaltenden Probleme auf dem Ausbildungsmarkt. Nach Angaben des Landes stehen viele ausbildungssuchende Jugendliche einem zu geringen Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen gegenüber. Gleichzeitig gibt es sogenannte Passungsprobleme – also Schwierigkeiten, Bewerber*innen mit passenden Ausbildungsbetrieben zusammenzubringen.

Wer von der Umlage betroffen ist

Die Ausbildungsplatzumlage richtet sich an Unternehmen in Berlin mit mindestens zehn Beschäftigten. Entscheidend ist die sogenannte Ausbildungsquote, also das Verhältnis von Auszubildenden zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Teilzeitkräfte werden dabei anteilig berücksichtigt.

Liegt die Ausbildungsquote unter 4,6 Prozent, müssen Unternehmen künftig Beiträge zahlen. Dabei gelten unterschiedliche Regelungen:

  • Unternehmen mit einer Ausbildungsquote unter 3,1 Prozent zahlen die Umlage ohne Rückerstattung.
  • Betriebe mit einer Quote zwischen 3,1 und 4,6 Prozent zahlen ebenfalls, können jedoch Geld zurückerhalten, sofern sie zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen.
  • Unternehmen mit einer Ausbildungsquote über 4,6 Prozent müssen keine Umlage zahlen und können für zusätzliche Ausbildungsplätze finanzielle Erstattungen erhalten.

Die Rückerstattung orientiert sich an der tariflichen beziehungsweise branchenspezifischen Ausbildungsvergütung.

Weitere Informationen zur Ausbildungsplatzumlage stellt der Berliner Senat auf seiner Website bereit: Berliner Senat zur Ausbildungsplatzumlage

Wohin das Geld fließt

Die Beiträge sollen in einen zentralen Ausbildungsfonds fließen. Aus diesem Fonds werden laut Senat vor allem Ausbildungsvergütungen finanziert beziehungsweise erstattet. Ziel sei es insbesondere, kleine und mittlere Unternehmen finanziell zu entlasten und so zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen.

Auswirkungen auf die Ausbildungsszene

Mit der Umlage könnte sich die Berliner Ausbildungslandschaft deutlich verändern. Personen, die die Umlage unterstützen, hoffen auf mehr Ausbildungsplätze und bessere Chancen für Jugendliche. Gleichzeitig sollen Unternehmen stärker dazu motiviert werden, selbst auszubilden statt Fachkräfte anderer Betriebe abzuwerben.

Kritische Stimmen bezweifeln jedoch, dass finanzielle Anreize allein die Probleme auf dem Ausbildungsmarkt lösen. Viele Unternehmen hätten bereits heute Schwierigkeiten, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden.

Kritik der IHK Berlin

Die IHK Berlin lehnt die Ausbildungsplatzumlage ab. Die Kammer kritisiert, dass die Abgabe keine zusätzlichen Ausbildungsverträge schaffe, solange Passungsprobleme bestehen bleiben.

Außerdem warnt die IHK vor zusätzlicher Bürokratie, Wettbewerbsverzerrungen und einer möglichen Umverteilung zugunsten größerer Unternehmen. Betriebe würden belastet, obwohl viele bereits Schwierigkeiten hätten, Ausbildungsplätze zu besetzen.

Die Position der IHK Berlin zur Ausbildungsplatzumlage gibt es hier: IHK Berlin zur Ausbildungsplatzabgabe

Andere Bundesländer

Vergleichbare Modelle gibt es bereits in Bremen sowie in einzelnen Branchen wie dem Baugewerbe oder Dachdeckerhandwerk. Berlin gehört damit zu den wenigen Bundesländern mit einer landesweiten Ausbildungsplatzumlage.

Was bedeutet das für JAzA?

Wenn künftig mehr Ausbildungsplätze entstehen, rückt auch die Frage stärker in den Fokus, wie Ausbildungsverhältnisse langfristig erfolgreich bleiben. Mit einer möglichen Zunahme an Ausbildungsverhältnissen könnte auch der Bedarf an Beratung und Begleitung steigen und damit die Rolle von JAzA als wichtige Unterstützungsstelle im Berliner Ausbildungssystem.

Quellen