Ausbildungsabbruch verschärft soziale Ungleichheit
Ein aktuelles Forschungsprojekt zu Ausbildungsabbrüchen in Deutschland zeigt deutliche Unterschiede bei den langfristigen Folgen: Während einige Jugendliche einen Abbruch kompensieren können, führt er für andere zu erheblichen Einkommensverlusten. Insbesondere bei jungen Menschen aus sozial benachteiligten Familien.
Zentrale Ergebnisse im Überblick
- Ausbildungsabbrüche führen im Durchschnitt zu deutlichen langfristigen Einkommensverlusten.
- Über einen Zeitraum von zehn Jahren verdienen Abbrecher*innen weniger als die Hälfte vergleichbarer Absolvent*innen.
- Die negativen Effekte sind sozial ungleich verteilt.
- Jugendliche aus benachteiligten Familien verlieren rund 45 Prozent ihres Einkommens im Vergleich zu Absolvent*innen.
- Jugendliche aus privilegierteren Verhältnissen haben keine messbaren langfristigen Einkommensnachteile.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass die soziale Herkunft eine entscheidende Rolle für den weiteren Berufsverlauf spielt. Während Jugendliche aus besser gestellten Familien einen Ausbildungsabbruch häufig ausgleichen können, etwa durch eine erneute Ausbildung oder durch den Einstieg in qualifizierte Beschäftigung, sind diese Wege für benachteiligte junge Menschen deutlich schwerer erreichbar.
Eine zentrale Ursache liegt in ungleichen Zugangschancen: Wer über stärkere soziale Netzwerke, mehr Unterstützung und bessere Informationen verfügt, kann auch ohne formalen Abschluss stabilere Erwerbsverläufe erreichen. Für Jugendliche aus benachteiligten Lebenslagen fehlen diese Ressourcen häufig, was die negativen Folgen eines Abbruchs zusätzlich verstärkt.
Auch für die Berliner Ausbildungsszene sind diese Ergebnisse relevant. In einer Stadt mit unterschiedlichen sozialen Ausgangsbedingungen zeigt sich besonders deutlich, wie eng Ausbildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verknüpft sind. Ausbildungsabbrüche sind daher nicht nur individuelle Entscheidungen, sondern wirken sich strukturell auf den Arbeitsmarkt und die Fachkräftesicherung aus.
Hier setzt auch unser Projekt JAzA – JA zur Ausbildung! an: Ziel ist es, Ausbildungsabbrüche frühzeitig zu vermeiden und Auszubildende insbesondere in schwierigen Ausbildungssituationen zu unterstützen. Die Studienergebnisse unterstreichen die Bedeutung solcher Angebote, insbesondere für junge Menschen aus benachteiligten Lebenslagen.
Handlungsansätze: Prävention und Unterstützung stärken
- Prävention gezielt ausbauen:
Unterstützungsangebote stärker auf Jugendliche aus benachteiligten Lebenslagen ausrichten - Wiedereinstieg erleichtern:
Zugänge zu erneuter Ausbildung („zweite Chance“) verbessern - Übergänge begleiten:
Engere Unterstützung beim Wechsel in Beschäftigung nach einem Abbruch - Zugangsbarrieren abbauen:
Mehr Möglichkeiten für qualifizierte Tätigkeiten auch ohne formalen Abschluss schaffen
Die Studie zeigt damit auch, dass politische und pädagogische Maßnahmen differenziert ansetzen müssen. Es reicht nicht aus, Ausbildungsabbrüche insgesamt zu reduzieren. Entscheidend ist, insbesondere die Risiken für benachteiligte Gruppen zu verringern und bestehende Ungleichheiten im Übergangssystem abzubauen.
Weitere Informationen:
Die vollständige Studie und weitere Informationen finden Sie auf der Website des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).