Armutsgefährdete Jugendliche auf ihrem Weg in den Beruf unterstützen
Laut Mikrozensusdaten wuchs in Berlin 2023 fast jedes vierte Kind unter 18 Jahren in Einkommensarmut auf. Bei den 18- bis 25-Jährigen war es sogar mehr als jede*r Dritte (34,7 %). Der Paritätische Armutsbericht 2025 bestätigt dieses Bild: Die Armutsquote in Deutschland liegt auf einem Rekordniveau, rund 1,1 Millionen minderjährige Kinder und Jugendliche leben in erheblicher materieller Not. Studien (z.B. „Woher und Wohin 2024“) belegen zudem, wie eng Bildungserfolg und sozioökonomischer Status in Deutschland miteinander verknüpft sind.
Armut wirkt sich negativ auf Bildung, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe aus und damit auch auf den Einstieg in Ausbildung oder Studium. Fehlende Abschlüsse erhöhen wiederum das Risiko von Erwerbslosigkeit und weiterer Armut. Ein gelingender Übergang von der Schule in den Beruf ist daher zentral.
Die Berliner Strategie gegen Kinder- und Familienarmut setzt hier mit ihren 15 strategischen Zielen an. Im Jahr 2024 lag der inhaltliche Fokus auf dem erfolgreichen Übergang in den Beruf (Ziel 8): „Armutsgefährdete Jugendliche haben die Möglichkeit, eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren“.
Das 2025 erschienene Fachpapier der Geschäftsstelle der Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut beleuchtet die Herausforderungen, denen armutsbetroffene junge Menschen in Berlin am Übergang von der Schule in den Beruf begegnen:
- Belastete Lebenslagen erschweren die berufliche Orientierung.
- Finanzielle Notlagen führen zu kurzfristigen Erwerbsentscheidungen, etwa zu ungelernter Arbeit statt Ausbildung.
- Die Komplexität des Unterstützungssystems erschwert sozial benachteiligten Jugendlichen den Zugang zu Hilfen.
- Vulnerable Gruppen – etwa geflüchtete Jugendliche oder junge Menschen mit Behinderung – benötigen differenziertere Unterstützung.
Daraus leiten sich zentrale Handlungsempfehlungen ab:
- Bezahlbaren Wohnraum (z. B. „Azubiwohnen“) und Therapieangebote für Kinder und Jugendliche ausbauen.
- Frühzeitige, engmaschige Unterstützung durch Schulsozialarbeit und Bildungsbegleitung verstärken.
- Finanzielle Leistungen an Lebenshaltungskosten anpassen und Zugänge zu BAföG, Berufsausbildungsbeihilfe und Wohngeld erleichtern.
- 11. Pflichtschuljahr umsetzen, um Schulabbrüche zu verhindern und Anschlüsse zu sichern
- Berufliche Orientierung an Schulen stärken: Ressourcen, Elternbeteiligung und Kooperation mit Betrieben verbessern.
- Förderung für vulnerable Gruppen ausbauen: differenzierte Willkommensklassen für junge Geflüchtete, Nachteilsausgleiche bei Prüfungen für Nicht-Muttersprachler*innen, bessere Verzahnung der Rechtskreise für junge Menschen mit Behinderungen.
Das Fachpapier macht deutlich, dass das Berliner Übergangssystem umfassend und vielfältig ist, und unterstreicht insbesondere die zentrale Rolle der Jugendberufsagentur Berlin. Es sieht jedoch auch Optimierungsbedarf bei der Umsetzung der Angebote im Übergangssystem, bei der Schnittstellenarbeit und bei der Ressourcenausstattung. Das Fachpapier fordert eine nachhaltige Absicherung und Weiterentwicklung der bestehenden Projekte. Das Ziel: Die Folgen von Armut frühzeitig abfedern, den Zugang zu Bildung und Beruf für alle jungen Menschen erleichtern und damit langfristig gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe sichern.
Weitere Informationen zur Berliner Strategie, zum Fachpapier sowie zur entsprechenden Stellungnahme der Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut sind auf dem offiziellen Hauptstadtportal verfügbar.